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Bitcoins große Rotation

Warum es kein schlechtes Zeichen ist, dass „Langzeithalter" verkaufen


Lieber Bitler,

Neun Monate. So lange ist das Top vom Oktober 2025 jetzt her, und so lange zieht sich dieser Bärenmarkt schon. Bitcoin hat seither rund 50 % verloren und pendelt zäh zwischen 60.000 und 80.000 Dollar. Der Markt wirkt müde. Selbst gute Nachrichten quittiert er inzwischen mit einem Schulterzucken.

Aber wie so oft ist es nicht der Preis, der die spannenden Antworten liefert. Deshalb schauen wir heute wieder auf eine On-Chain-Kennzahl, eine, die gerade Hoffnung machen könnte. Es geht um das Verhältnis der realisierten Preise von Langzeit- zu Kurzzeithaltern: die sogenannte RHODL Ratio.

Die Zahl, um die es geht, ist nicht der Kurs. Es ist diese: Der Anteil der Langzeithalter an den realisierten Verlusten ist von 15 % im Februar auf 43 % Anfang Juli gestiegen. An einzelnen Tagen wurden bis zu 280 Millionen Dollar an Verlusten festgeschrieben, der höchste Stand seit Dezember 2022.

Übersetzt heißt das: Leute, die nahe der Hochs 2024/25 gekauft und sich als „langfristig" verstanden haben, werfen jetzt mit Minus hin. On-Chain-Analysten nennen das eine „große Rotation": Alte Hände geben ihre Coins an eine neue Käufergeneration ab.

Die Schlagzeilen lesen das als Alarm: „Sogar die Diamond Hands kapitulieren." „Der Zyklus ist tot." Und dazwischen viele stille Spätkäufer, die im Minus sitzen und sich fragen, ob sie alles falsch gemacht haben.



RHODL-Ratio:

RHODL Ratio - Quelle: newhedge.io

Und genau das ist der Punkt. Die Kurve hat ihren Höhepunkt längst hinter sich. Nach dem Top im Oktober 2025 ist sie deutlich gefallen und nähert sich wieder dem Bereich, der in der Vergangenheit nicht Gier markiert hat, sondern das Gegenteil: die stille Phase, in der die Coins bei den Langfristigen liegen. 2015, 2019, 2022, jedes Mal sah es hier ähnlich aus, kurz bevor die Stimmung drehte.

Wir bewegen uns gerade von oben nach unten. Weg von der Gier, hin zur Geduld. Das ist die hoffnungsvolle Lesart. Nicht weil ein Indikator die Zukunft kennt, sondern weil er zeigt, wo im Zyklus wir grob stehen. Und das ist aktuell eher die Nähe eines Bodens als die eines Tops.

Ich halte die Panik-Lesart für falsch, und zwar aus einem einfachen Grund. Der Satz „sogar die Langzeithalter verkaufen" klingt dramatisch, aber er verwechselt eine Bezeichnung mit einer Eigenschaft. Nur weil jemand seine Coins zwölf oder achtzehn Monate gehalten hat, macht ihn das nicht zu einem überzeugten Halter. Es macht ihn zu jemandem, der eine Weile nicht verkauft hat. Das ist ein Unterschied.

Überzeugung ist billig, solange sie nichts kostet. Bei 120.000 Dollar hält jeder gern. Der Test kommt erst jetzt, bei einem Minus, das wehtut. Und genau hier trennt sich, wer wirklich eine Zeitpräferenz hat, die in Jahren denkt, von dem, der sie nur behauptet hat. Was wir gerade sehen, ist kein Zusammenbruch. Es ist eine Aussortierung.

Das ist auch nichts Neues. Jeder Bitcoin-Zyklus hatte diese Phase: Der Lärm wird laut, die Angst wird real, und ein Teil derer, die „für immer" halten wollten, gibt auf. Danach liegen die Coins bei Menschen, die die Zeit auf ihrer Seite haben und aussitzen können. Wer nicht aus Angst verkauft, verkauft nicht Bitcoin, er verkauft seine eigene Geduld. Und Geduld ist am Tiefpunkt am teuersten und am Hoch am billigsten. Immer.

Ein Nebensatz zur Ehrlichkeit: Das ist kein Timing-Tipp. Ich sage nicht, dass jetzt der Boden ist oder dass es nicht noch tiefer geht. Das weiß niemand. Solche Muster sagen dir, wo im Zyklus du grob stehst, nie wann er dreht.

Kurz gesagt: Nicht der Preis ist die Geschichte, sondern wer verkauft. Und das ist kein Weltuntergang. Es ist der Moment, in dem sich zeigt, wessen Geduld echt war.

Was denkt ihr: Hättet ihr im Minus verkauft, und was sagt das über euren eigenen Zeithorizont?

Ich lese jede Antwort. Schreibt mir einfach direkt.

Stay humble & stack Sats

Vincent von Bits&Satoshis

Ps: Hat dir diese Ausgabe geholfen? Leite sie an jemanden weiter, der Bitcoin und Geld wirklich verstehen will, nicht nur die Schlagzeilen.


Disclaimer: Dieser Newsletter dient ausschließlich zu Informations- und Bildungszwecken. Der Newsletter bietet keine Finanzberatung und die hier bereitgestellten Inhalte stellen keine Anlageberatung dar. Bitte führe stets eigene Recherchen durch und konsultiere bei Bedarf einen professionellen Berater, bevor du finanzielle Entscheidungen triffst. Investitionen in Bitcoin und Vermögenswerte sind mit Risiken verbunden.


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