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Was Fiatgeld ist, und warum du es verstehen solltest
Die kurze Antwort zuerst, weil du vermutlich genau danach gesucht hast: Fiatgeld ist Geld, das keinen inneren Wert und keine Deckung hat und seinen Wert allein daraus bezieht, dass ein Staat es für gültig erklärt und genug Menschen es akzeptieren. Euro, Dollar, Franken, Yen, all das ist Fiatgeld. Das Wort „fiat“ ist lateinisch und heißt „es werde“. Geld per Anordnung, nicht per Deckung.
Damit könnte der Text enden, aber die Definition ist der uninteressante Teil. Die interessante Frage ist, was daraus folgt. Denn wer versteht, wie Fiatgeld funktioniert, versteht die Hälfte von Bitcoin schon, bevor er sich mit Bitcoin überhaupt beschäftigt hat. Das ist kein Zufall. Bitcoin ist als Gegenentwurf zu genau diesem System gebaut.
Woher das Wort Fiat kommt
Fiatgeld, Fiatwährung, Fiat, „was bedeutet fiat“: das ist alles dasselbe. Der Begriff stammt aus dem Lateinischen und meint einen Willensakt. Etwas ist Geld, weil eine Autorität sagt, dass es Geld ist. Ein Zwanzig-Euro-Schein ist bedrucktes Baumwollpapier, dessen Materialwert bei ein paar Cent liegt. Seinen Wert von zwanzig Euro hat er, weil der Staat ihn zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklärt und weil alle darauf vertrauen, dass er morgen noch angenommen wird.
Das war nicht immer so. Über den größten Teil der Geschichte war Geld an etwas Knappes gebunden, meistens Gold. Ein Geldschein war lange eine Quittung für hinterlegtes Edelmetall. Erst 1971, mit dem Ende der Goldbindung des Dollars, wurde dieses letzte Band durchtrennt. Seitdem lebt die ganze Welt in einem reinen Fiat-System, in dem kein Geld mehr durch irgendetwas gedeckt ist außer durch das Versprechen des Staates. Das ist historisch gesehen ein sehr junges Experiment, gerade einmal ein halbes Jahrhundert alt.
Wie Fiatgeld entsteht
Hier wird es konkret, und hier liegt der Punkt, den die meisten unterschätzen. Fiatgeld entsteht nicht in einer Druckerei. Es entsteht überwiegend als Zahl in einem Computer, an zwei Stellen.
Die erste ist die Zentralbank. Sie kann neues Geld schaffen, indem sie Anleihen kauft oder Banken Kredite gibt, und sie tut das per Buchung, nicht per Druck. Die zweite Stelle, und das überrascht viele, sind die Geschäftsbanken. Wenn deine Bank dir einen Kredit gibt, verleiht sie nicht das Geld anderer Sparer weiter. Sie schreibt dir den Betrag als neue Zahl gut. In dem Moment existiert Geld, das vorher nicht da war. So wächst die Geldmenge Jahr für Jahr, meistens schneller als die Wirtschaft, die dahintersteht. Wie dieses System im Detail auf Vertrauen statt auf Deckung läuft, habe ich in einer eigenen Ausgabe auseinandergenommen: Vertrauen statt Deckung, wie Fiat funktioniert.