Lieber Bitler,

Bitcoin ist seit seinem Tief im Juni um fast 50 % gestiegen. Allein in der vergangenen Woche legte der Kurs um mehr als 10 % zu. Eine Entwicklung, die viele Anleger überrascht, denn bislang folgt Bitcoin nicht den Mustern früherer Bärenmärkte.

Sollte der Bärenmarkt tatsächlich hinter uns liegen, wäre er der mit Abstand kürzeste in der Geschichte von Bitcoin, fast 100 Tage kürzer als alle bisherigen. Gleichzeitig wäre er mit einem Rückgang von 52 % gegenüber Verlusten von 77 % bis 85 % in früheren Zyklen auch der Bärenmarkt mit den geringsten Kursverlusten.

Doch ein steigender Kurs allein macht noch keinen neuen Bullenmarkt.

Was steckt also hinter der aktuellen Rally? Und reicht das bereits aus, um den Bärenmarkt endgültig hinter uns zu lassen?

Bitcoin steigt trotz Gegenwind

Die aktuelle Rally überrascht auch deshalb, weil Bitcoin zuletzt gleich mehrere Nachrichten verkraften musste, die normalerweise für Gegenwind sorgen.

Die US-Notenbank Fed hat die Zinsen angehoben und damit verzinste Anlagen wie Anleihen gegenüber Bitcoin attraktiver gemacht. Gleichzeitig ist der kryptofreundliche CLARITY Act im US-Senat ins Stocken geraten. Das Gesetz sollte einen klaren regulatorischen Rahmen für digitale Vermögenswerte schaffen.

Bitcoin reagierte auf die Nachricht zunächst mit einem Kursrückgang von rund 4 %, setzte seinen Anstieg anschließend jedoch fort. Doch was treibt den Bitcoin-Kurs nach oben, wenn selbst solche Nachrichten die Rally nicht stoppen können?

Ein Blick auf die jüngsten Marktbewegungen zeigt, warum ein steigender Kurs allein noch kein Beweis für einen nachhaltigen Aufwärtstrend ist.

Was steckt hinter dem jüngsten Kursanstieg?

Ein Teil der jüngsten Rally wurde durch die Liquidation von Short-Positionen beschleunigt.

Wenn Trader mit gehebelten Positionen auf fallende Kurse setzen und Bitcoin stattdessen steigt, geraten sie zunehmend unter Druck. Erreichen ihre Verluste eine bestimmte Grenze, werden ihre Positionen automatisch geschlossen.

Dabei entsteht zusätzlicher Kaufdruck, der den Kurs weiter nach oben treiben kann. Steigt Bitcoin dadurch noch stärker, geraten weitere Short-Trader unter Druck. Eine Kettenreaktion entsteht, die als Short Squeeze bezeichnet wird.

Doch dieser zusätzliche Kaufdruck ist nicht zwangsläufig von Dauer. Sobald die betroffenen Positionen geschlossen sind, fällt dieser kurzfristige Kurstreiber weg. Ob die Rally nachhaltig ist, muss sich deshalb auch an der Nachfrage am Spot-Markt zeigen. Und genau hier wird die aktuelle Entwicklung interessant.

Das Handelsvolumen an den Börsen liegt rund 30 % unter dem Niveau zu Jahresbeginn. Auch die Bitcoin-ETFs haben in diesem Monat bislang lediglich rund 18.000 BTC gekauft, weniger als ihr monatlicher Durchschnitt seit ihrer Einführung im Jahr 2024.

Der jüngste Kursanstieg wird damit bislang nicht von einer vergleichbaren Zunahme des Handelsvolumens begleitet. Doch möglicherweise liegt die Erklärung für die Rally gar nicht allein auf der Nachfrageseite.

Was, wenn nicht die Käufer, sondern die Verkäufer den Unterschied machen?

Der Bitcoin-Kurs hängt nicht nur davon ab, wie viele Menschen kaufen möchten, sondern auch davon, wie viele Bitcoin zum aktuellen Preis überhaupt zum Verkauf stehen. Und genau hier zeichnet sich eine interessante Entwicklung ab.

Laut Galaxy Research wurden 2024 und 2025 fast 4 Millionen BTC bewegt, die zuvor mindestens drei Jahre lang unangetastet geblieben waren. Der Markt nahm dieses zusätzliche Angebot auf. In der ersten Jahreshälfte 2026 wurden dagegen nur noch rund 300.000 dieser älteren Bitcoin bewegt.

Zwar bedeutet eine Bewegung auf der Blockchain nicht automatisch, dass Bitcoin verkauft wurden. Dennoch deutet die abnehmende Aktivität darauf hin, dass sich das Verhalten langfristiger Halter verändert hat.

In Bärenmärkten wandern Bitcoin häufig von kurzfristigen Spekulanten zu langfristig orientierten Anlegern. Während die einen angesichts fallender Kurse verkaufen, nutzen die anderen die Gelegenheit, ihre Bestände auszubauen.

Je mehr Bitcoin in die Hände von Anlegern gelangen, die zum aktuellen Preis nicht verkaufen möchten, desto geringer wird das unmittelbar verfügbare Angebot.

Und wenn weniger Bitcoin zum Verkauf stehen, kann bereits eine vergleichsweise geringe zusätzliche Nachfrage ausreichen, um den Kurs deutlich nach oben zu bewegen.

Möglicherweise liegt das Besondere an der aktuellen Rally also nicht allein darin, dass neue Käufer in den Markt kommen, sondern auch darin, dass immer weniger langfristige Halter bereit sind, ihre Bitcoin abzugeben.

Ist der Bärenmarkt also wirklich vorbei?

Die aktuelle Rally zeigt, dass sich auf der Angebotsseite etwas verändert haben könnte. Während der Verkaufsdruck langfristiger Halter nachzulassen scheint, haben Short-Liquidationen den jüngsten Kursanstieg zusätzlich beschleunigt.

Ob daraus ein nachhaltiger Bullenmarkt entsteht, bleibt allerdings offen.

Entscheidend wird sein, ob die Nachfrage am Spot-Markt zunimmt und den bisherigen Kursanstieg auch ohne den zusätzlichen Kaufdruck durch Liquidationen tragen kann.

Sollte diese Nachfrage auf ein zunehmend knappes Verkaufsangebot treffen, könnte das den Bitcoin-Kurs weiter nach oben treiben. Eine Garantie dafür gibt es jedoch nicht.

Vielleicht liegt das Besondere an dieser Rally nicht darin, dass plötzlich alle Bitcoin kaufen wollen. Sondern darin, dass immer weniger Anleger bereit sind, ihre Bitcoin zu verkaufen.

Ob der Bärenmarkt damit tatsächlich hinter uns liegt, wird sich zeigen, wenn die Nachfrage nachzieht.

Stay humble & stack Sats

Ps: Hat dir diese Ausgabe geholfen? Leite sie an jemanden weiter, der Bitcoin und Geld wirklich verstehen will, nicht nur die Schlagzeilen.


Disclaimer: Dieser Newsletter dient ausschließlich zu Informations- und Bildungszwecken. Der Newsletter bietet keine Finanzberatung und die hier bereitgestellten Inhalte stellen keine Anlageberatung dar. Bitte führe stets eigene Recherchen durch und konsultiere bei Bedarf einen professionellen Berater, bevor du finanzielle Entscheidungen triffst. Investitionen in Bitcoin und Vermögenswerte sind mit Risiken verbunden.